Platz der Republik: „Black Form“ – das ungesehene Mahnmal von Sol LeWitt

Groß und finster und gewaltig steht der Schwarze Block von Sol LeWitt nahe des weißen Rathaus in Altona. Unübersehbar, doch kaum als Mahnmal wahrgenommen. Dabei symbolisiert er eine Leerstelle, verweist auf die von Nationalsozialisten ermordeten Jüdinnen und Juden, auf das schmerzliche Fehlen ihrer ungeborenen Kinder und Enkelkinder. Die Fraktionen GRÜNE und SPD beantragen daher in der heutigen Bezirksversammlung, dieses Hintergrundwissen durch ein zeitgemäßes Informationsangebot einfacher verfügbar zu machen.

Kai Uwe Helmers, Abgeordneter GRÜNE Fraktion Altona: „Am 9. November 1989 wurde die Skulptur auf dem Platz der Republik eingeweiht. Es ist ein historisches Datum: Während hier in Altona die entsprechenden Feierlichkeiten stattfanden, fiel in Berlin die Mauer. Dieses Kunstwerk geriet dadurch von Beginn an in den Schatten der Geschichte – jetzt wollen wir seine Geschichte sichtbarer machen. Mit einer neuen, zeitgemäßen Informationstafel, einer besseren Platzierung des bestehenden Hinweisschildes und der Entwicklung eines Konzepts, soll dieses besondere Kunstwerk dauerhaft im öffentlichen Bewusstsein Altonas verankert werden.“

Yohana Hirschfeld, Abgeordnete GRÜNE Fraktion Altona: „Für Sol LeWitt hatte seine Skulptur ‚Black Form‘ eine ganz besondere Bedeutung. Es ist das Einzige seiner Kunstwerke, dem er außer einem Titel auch einen erklärenden Untertitel gegeben hat: ‚Dedicated to the Missing Jews‘ – einen über sich selbst hinaus deutenden Inhalt. Damit hat er die Regeln des von ihm miterfundenen Minimalismus gebrochen.

Für LeWitt, selbst jüdisch, war das Fehlen der jüdischen Bevölkerung in Deutschland mehr als eine historische Tatsache. Es war Teil der Erfahrung seiner eigenen Kultur. Nur der Umstand, dass seine Vorfahren frühzeitig in die USA ausgewandert waren, hat ihn davor bewahrt, selbst ein Teil derjenigen zu sein, an die das Mahnmal erinnert.“

Sabine Köster, Abgeordnete der SPD-Fraktion Altona: „Erinnerungskultur lebt davon, dass Geschichte sichtbar und verständlich bleibt. Jüdisches Leben gehört untrennbar zu Altona – ebenso die Verantwortung, an diejenigen zu erinnern, die durch Verfolgung und Vernichtung für immer fehlen. Deshalb wollen wir den Erinnerungsort stärken und seine historische Bedeutung für alle Menschen besser zugänglich machen.“